Mein grüner Kaktus, die Kultursendung auf Guericke FM! Unser neues Format beginnt mit Kirsten und Cristian von WESENsART.

Mein Grüner Kaktus im Gespräch mit WesensArt

Sagt uns doch mal, wer ihr seid!

Wir sind Christian Tischer und Kirsten Mengewein und betreiben das Papeterie-Label und Aufklärungsprojekt WESENsART. Wir sind queer-Feminist*innen aus Leidenschaft und teilen die Utopie von der inklusiven Weltgemeinschaft. Gemeinsam schnappen wir auf, reiben uns am Puls der Zeit oder lassen uns davon treiben. Immer in einem Wechselspiel aus Innehalten und Verändern, annehmen und anregen.

Worum geht es in eurem Projekt?

WESENsART ist mehr als ein Papeterie-Label. Wir schaffen Produkte für den Schreibtisch, für unterwegs und für zu Hause, die einen queer-feministischen Anspruch haben. Das heißt konkret: egal ob Notizbuch, Postkarte oder Aufkleber – bei uns hat auch alles eine Bedeutung und Botschaft. Deshalb sind wir eine Mischung aus online-Shop, Blog und Aufklärungsprojekt. Also ganz nach unserem Motto: verspielt, unangepasst und queer. Herz des Projektes sind unsere einzigartigen Wesen. Alle anders und alle bunt und vielfältig. Jedes Wesen hat eine eigene Identität und Geschichte. Sie sind Identifikationsfiguren, die jeweils verschiedene feministische Aspekte oder queere Lebensweisen transportieren. So können jung und alt, groß und klein, Anfänger*innen und Profis sich mit Feminismus und sexueller Vielfalt auseinander setzten.

Habt ihr irgendwelchen zeitnahen Ziele?

Gerade ist unser WESENsART Mal-, Kritzel- und Mitmachbuch »Ich kann sein, wer ich will« erscheinen. Das ist ein langfristiges Projekt von uns, das uns nun fast schon ein Jahr begleitet. Mit dem Mal-, Kritzel- und Mitmachbuch können Kinder und die ganze Familie spielerisch und kreativ Gender und Feminismus entdecken. Wir wollen so Menschen für die Vielfalt von Geschlecht, Liebe, Familienkonstellationen und einen positiven und wertschätzenden Umgang mit dem Körper sensibilisieren, um damit Diskriminierung abzubauen. Wir wollen Vielfalt erlebbar machen durch Malen, Zeichnen, Basteln und Spielen – denn es gibt sogar ein Memory im Buch.
Wenn das Mal-, Kritzel- und Mitmachbuch draußen ist, wollen wir in dem Rahmen auch Workshops anbieten für Kinder und Jugendliche, Erzieher*innen und Lehrer*innen.

Im Bezug zur Kulturlandschaft Magdeburg, wo seht ihr da euren Beitrag?

Es gibt viel zu wenig Projekte, die sich mit feministischen und queeren
Themen beschäftigen. Gerade in den letzten Jahren gibt es viel Gegenwind für den Feminismus, dabei geht es doch um Chancengleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen. Und auch wenn es seit 2017 auch eine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gibt, werden queere Menschen immer noch alltäglich diskriminiert. Dagegen wollen wir mit WESENsART etwas machen, in dem wir einen verspielten und leichten Zugang zu feministischen und queeren Themen scha
ffen wollen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Wir nehmen wahr, dass sich den letzten Jahren in Magdeburg immer mehr feministische Initiativen gegründet haben. Initiativen, die nicht nur männlich dominiert sind. Mittlerweile gibt es zum Beispiel Awareness-Konzepte für Veranstaltungen oder den female HipHop Tresen, doch die werden nicht aktiv von der Stadt gefördert oder haben oftmals nur Erwachsene als Zielgruppe. Wir wollen gerade Kinder und Jugendliche verstärkt in ihrer Auseinandersetzung fördern und für feministische und queere Themen sensibilisieren.

Bleiben wir in Magdeburg. Wir wollen ja Kulturhauptstadt 2025 werden. Wo seht ihr Hindernisse/Brennpunkte?

Kulturhauptstadt zu sein, bedeutet auch offen für alle Menschen zu sein, egal wo sie herkommen oder welches Geschlecht sie haben. Das spüren wir aktuell noch nicht. Es muss mehr dafür getan werden, dass Rassismus, Heterosexismus, be_Hintertenfeindlichkeit und Klassismus auf allen Ebenen abgebaut werden, damit ein friedliches Miteinander gelebt werden kann. Es muss in der Stadtteilarbeit anfangen und auch sich auf ganz Magdeburg ausweiten. Damit ein Miteinander auch gelingen kann, müssen alle Perspektiven zu Wort kommen und gehört werden – es darf nicht über Menschen gesprochen werden, sondern mit ihnen.

Wie würdet ihr diese Probleme lösen, würden euch die Mittel zur Verfügung stehen?

Viel mehr Geld in kulturelle und politische Bildung investieren. Menschen lernen ihr Leben lang. Durch künstlerische und kreative Methoden und Techniken kann jede*r Einzelene*r sich mit sich selbst und der Umwelt auseinander setzten. Gemeinsam können wir so in den Austausch treten. Wir können von einander und miteinander lernen. Das stärkt jede*n Einzelne*n und die ganze Gesellschaft, weil wir so bewusster unsere Umwelt mitgestalten können.

Zum Abschluss noch ein paar Worte an den Bürgermeister:

Offen bleiben für die Wünsche und Bedarfe der Menschen der Stadt und alle zum Dialog einladen. Denn gerade die Perspektiven von zugewanderten und queeren Menschen werden oft vergessen.

Ausstrahlung

• Mo, 20.05.2019,- 14.00 Uhr

• Mi, 22.05.2019,- 14.00 Uhr

Playlist

•Beyoncé – ***Flawless ft. Chimamanda Ngozi Adichie

•Sophia Kennedy – Being Special

•Lipps Inc. – Funkytown

•Sookee Feat. Tapete – Pro Homo

•Rosenstolz – Königin